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Welche schwierigen Situationen habt ihr bisher gehabt?

Das Leben konfrontiert uns immer wieder mit nachdenklich stimmenden Situationen, die uns herausfordern. Wie verhält man sich am besten, oder wie geht man am besten mit der Situation um? Zunächst sollte man sich eingestehen, dass man suchtkrank ist. Das ist auch etwas, das nicht jeder sofort wissen muss. Und so gerät man unweigerlich in bestimmte Situationen. Dann stellt sich die Frage: Wie geht man damit um? Meidet man solche Situationen, oder plant man im Voraus, was man tun oder sagen wird?
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Lifeline
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Welche schwierigen Situationen habt ihr bisher gehabt?

Beitrag von Lifeline »

Eine schwierige Situation kann einem eigentlich jederzeit begegnen – gerade dann, wenn die Therapie vorbei ist und man wieder ganz normal am Alltag teilnimmt.

Man geht vielleicht auf eine Party, ein Grillfest oder besucht Freunde und plötzlich trinken andere Menschen Alkohol. Auch im Restaurant, mit Arbeitskollegen, auf dem Weihnachtsmarkt oder bei anderen Gelegenheiten kann Alkohol ganz selbstverständlich dazugehören.

Wie man damit umgeht, muss letztendlich jeder für sich selbst herausfinden. Dafür gibt es meiner Meinung nach auch kein allgemeingültiges Rezept.

Ich für meinen Teil habe mittlerweile kein großes Problem mehr damit, wenn andere Menschen ihr Bier oder ihren Alkohol trinken. Das stört mich grundsätzlich nicht. Wenn ich aber merke, dass mir eine Situation irgendwann zu viel wird oder die anderen bereits einen gewissen Alkoholpegel erreicht haben, dann ziehe ich mich zurück. Das ist für mich ein Weg, mit solchen Situationen umzugehen.

Gerade wenn man frisch aus der Therapie kommt, sollte man aber vielleicht besonders aufmerksam sein und sich zunächst fragen: Welches Umfeld tut mir gut? Welche Situationen kann ich schon aushalten und welchen sollte ich vielleicht erst einmal aus dem Weg gehen?

Was ich persönlich auch wichtig finde, ist ein kleiner Notfallplan.

Damit meine ich nicht unbedingt einen komplizierten Plan. Es kann schon helfen, sich vorher zu überlegen:

Was mache ich, wenn mich eine Situation triggert? Was mache ich, wenn plötzlich Suchtdruck entsteht? Wen kann ich dann ansprechen?

Das kann zum Beispiel der Partner sein, mit dem man unterwegs ist, oder ein guter Freund, der über die eigene Situation Bescheid weiß. Auch eine Selbsthilfegruppe oder ein Selbsthilfeforum kann ein wichtiger Anker sein. Vielleicht reicht manchmal schon ein Anruf oder eine Nachricht, um wieder etwas Abstand zu bekommen.

Und wenn es gar nicht mehr geht, dann darf man eine Situation auch einfach verlassen.

Man muss nicht beweisen, dass man alles aushalten kann.

Auch im ganz normalen Alltag gibt es manchmal Situationen, an die man vorher gar nicht denkt. Mir ist zum Beispiel einmal passiert, dass Arbeitskollegen Kuchen mitgebracht haben. Der sah richtig lecker aus und ich habe im ersten Moment überhaupt nicht darüber nachgedacht, was darin enthalten sein könnte. Ich wusste also gar nicht, was in dem Kuchen drin war.

Zum Glück war nichts enthalten, worauf ich hätte achten müssen. Ich habe ein Stück gegessen – und festgestellt, dass er mir sowieso nicht geschmeckt hat. 😄

Aber genau solche Situationen zeigen mir, dass es im Alltag manchmal kleine Fallen gibt, bei denen man einfach etwas aufmerksamer sein sollte.

Oder ein anderes Beispiel: Man sitzt mit Arbeitskollegen irgendwo zusammen und bestellt Getränke. Ich bestelle mir eine Cola, andere vielleicht Getränke mit Alkohol. Später bestellt man noch etwas und der Kellner vertauscht versehentlich die Gläser.

Auch so etwas kann passieren.

Mir ist das tatsächlich schon einmal passiert. Ich hatte das Glas bereits in der Hand, aber die anderen haben mich sofort darauf aufmerksam gemacht: „Achtung, da ist Alkohol drin!“

Da merkt man, wie schnell so etwas gehen kann.

Auch auf einem Weihnachtsmarkt kann es schwierig werden. Überall riecht es nach Glühwein und Alkohol, Menschen trinken um einen herum und für manche kann allein dieser Geruch oder die Atmosphäre schon ein Trigger sein.

Deshalb finde ich es wichtig, sich selbst ein bisschen kennenzulernen und herauszufinden:

Was triggert mich? Wo fühle ich mich noch sicher? Wann wird es mir zu viel? Und was mache ich dann?

Vielleicht hilft es, vorher mit jemandem abzusprechen, dass man im Notfall gehen kann. Vielleicht hilft ein Anruf bei einer vertrauten Person, eine Nachricht im Forum oder der Rückzug aus der Situation.

Jeder Mensch ist anders und jeder hat seine eigenen Grenzen.

Deshalb kann ich auch niemandem sagen: „Du musst das genauso machen wie ich.“

Für mich ist es wichtig geworden, meine eigene Grenze zu kennen und zu wissen:

Bis hierhin kann ich gehen – und wenn es darüber hinausgeht, ziehe ich mich zurück.

Und vielleicht ist genau das auch ein Teil dessen, was man nach der Therapie weiter lernen darf: Nicht jede schwierige Situation vermeiden zu müssen, sondern zu lernen, sich selbst zu schützen und rechtzeitig zu erkennen, wann eine Situation für einen persönlich nicht mehr gut ist.

Mich würde deshalb interessieren:

Welche schwierigen Situationen habt ihr nach der Therapie oder in eurem Alltag erlebt?

Gab es Situationen, mit denen ihr vorher überhaupt nicht gerechnet habt?
Was hat euch dabei geholfen?
Und habt ihr vielleicht auch einen eigenen „Notfallanker“, auf den ihr zurückgreifen könnt?


Lg.Lifline
Freie Entscheidung treffen, heißt Unabhängig zu sein.
Gesperrt

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