🍀 Selbsthilfegruppe, aber mit Pfiff – Völlig anonym & Herzlich willkommen!

Schön, dass du den Weg in die Diamanten Werkstatt (SSHG) gefunden hast. Dies ist dein geschützter Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung. Deine Privatsphäre steht bei uns an oberster Stelle.

💎 Neu und besonders einfach: Du kannst dich bei uns nicht nur klassisch, sondern auch blitzschnell und anonym mit deinem Google-Account anmelden!

Hilfe annehmen? Na und!

Vom ersten „Ich brauche Hilfe“ über Entgiftung und Therapie bis zur Nachsorge: Welche Stationen gibt es eigentlich – und was kommt wann auf einen zu?
Antworten
Benutzeravatar
Lifeline
Site Admin
Beiträge: 43
Registriert: Sa Apr 20, 2024 5:59 am
2

Hilfe annehmen? Na und!

Beitrag von Lifeline »

Und jetzt? Wie geht’s weiter?

Das ist wahrscheinlich eine der Fragen, die einem durch den Kopf gehen, wenn man irgendwann merkt: „Okay, ich brauche Hilfe.“

Bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich überhaupt an diesem Punkt angekommen bin. Denn am Anfang glaubt man ja meistens gar nicht, dass man Hilfe braucht. Man denkt: „So schlimm ist das alles doch noch gar nicht.“ Man macht weiter wie bisher und irgendwie funktioniert es ja noch.

Bis sich immer mehr aufbaut.

Auch dieses Gefühl von: „Was passiert jetzt eigentlich mit mir?“ spielt dabei eine Rolle. Man hat vielleicht Angst vor dem, was kommt, und weiß überhaupt nicht, welchen Schritt man machen soll. Bei mir kam irgendwann der Punkt, an dem ich einfach vor einer Wand stand und nicht mehr weiterwusste. Meine Frau hat das so auch nicht mehr mitgemacht und mir wurde immer klarer: Jetzt geht es alleine nicht mehr weiter. Ich brauche Hilfe.

Das war für mich der eigentliche Wendepunkt.

Der erste Schritt war dann der Arzt.

Natürlich kann dieser erste Schritt bei jedem anders aussehen. Der eine geht zum Arzt, der andere zur Suchtberatung, jemand anderes wendet sich direkt an eine Klinik oder spricht erst einmal mit einem vertrauten Menschen.

Und auch ein Forum wie dieses hier kann ein erster Schritt sein.

Vielleicht noch nicht gleich mit „Ich gehe jetzt in Behandlung“, sondern einfach erst einmal mit: „Was kann ich überhaupt machen?“

Man kann sich informieren, Erfahrungen anderer lesen, Fragen stellen und vielleicht feststellen: „Okay, ich bin damit gar nicht alleine.“ Genau dafür sind Selbsthilfegruppen und Foren auch da. Manchmal braucht es erst einmal ein bisschen Orientierung, bevor man den nächsten Schritt gehen kann.

Bei mir ging es nach dem Arzt dann weiter. Eine Therapie wurde empfohlen und ein Therapieplatz organisiert.

Und dann kam die Entgiftung.

Für mich war das der nächste wichtige Schritt. Gerade bei einer körperlichen Abhängigkeit ist eine fachlich begleitete Entgiftung wichtig. Ich habe meine Entgiftung stationär erlebt und für mich war es gut, dabei medizinisch betreut und nicht auf mich allein gestellt zu sein.

Die Entgiftung dauert natürlich nicht bei jedem gleich lange. Bei mir waren es ungefähr eine Woche, und insgesamt kann das je nach Situation auch länger dauern. In dieser Zeit wird der Körper erst einmal stabilisiert und man bekommt die notwendige medizinische Unterstützung.

Und dann?

Dann beginnt eigentlich der nächste große Abschnitt: die Therapie.

Bei mir war es eine stationäre Therapie. Und wenn ich heute zurückblicke, kann ich sagen: Die Zeit ging schneller vorbei, als ich damals gedacht hatte.

In einer Therapie geht es natürlich nicht nur darum, den Körper von der Substanz wegzubekommen. Es geht auch darum, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Warum bin ich überhaupt hier? Was hat sich in meinem Leben verändert? Was hat die Sucht mit mir und meinem Umfeld gemacht? Und vor allem: Wie soll es danach weitergehen?

Dabei wird nicht einfach jeder über einen Kamm geschoren. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Probleme und manchmal auch weitere gesundheitliche oder soziale Baustellen mit.

Und genau da habe ich erlebt, dass es nicht nur Ärzte und Therapeuten gibt.

Da sind auch Sozialarbeiter, die sich um ganz andere Dinge kümmern können.

Manche Menschen haben beispielsweise Probleme mit ihrer Wohnung, mit Anträgen, Behörden, Arbeit oder anderen Dingen, die während einer Sucht ebenfalls völlig aus dem Ruder laufen können. Ich habe Menschen kennengelernt, die teilweise nicht einmal mehr eine Wohnung hatten. Auch darum wurde sich gekümmert.

Es wurde bei Anträgen geholfen, bei Behördenbriefen, bei Fragen rund um die weitere Lebensplanung. Auch der Weg zurück in die Arbeitswelt kann ein Thema sein. Gerade bei jüngeren Menschen können Ausbildung oder berufliche Perspektiven eine wichtige Rolle spielen.

Das fand ich damals ziemlich beeindruckend: Man wird nicht einfach auf die Sucht reduziert.

Da wird auch geschaut: Was braucht dieser Mensch eigentlich insgesamt, damit er wieder auf die Beine kommt?

Und natürlich muss man dabei selbst mitmachen.

Und eines möchte ich dabei noch ganz deutlich sagen:

Man muss sich nicht dafür schämen, dass man eine Therapie macht.

Ich glaube, gerade am Anfang können solche Gedanken kommen: „Jetzt bin ich schon so weit unten angekommen. Was denken denn jetzt die anderen von mir?“ Vielleicht denkt man sogar, dass andere einen jetzt anders sehen oder weniger von einem halten.

Aber genau das ist der falsche Gedanke.

Eine Therapie bedeutet nicht, dass man weniger wert ist als andere. Ganz im Gegenteil. Eine Therapie bedeutet, dass man erkannt hat: So wie es gerade läuft, möchte und kann ich nicht weitermachen. Und dann nimmt man Hilfe an.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist Mut.

Denn den Mut zu finden, sein eigenes Leben ehrlich anzuschauen, Veränderungen zuzulassen und sich dabei auch noch von anderen helfen zu lassen, ist alles andere als selbstverständlich.

Nicht jeder Mensch findet diesen Mut.

Und genau deshalb finde ich es bemerkenswert, wenn jemand diesen Schritt geht und sagt: „Okay, ich mache jetzt etwas für mich. Ich will mein Leben wieder selbst in die Hand nehmen.“

Hilfe anzunehmen heißt nicht, dass man gescheitert ist. Es heißt, dass man bereit ist, etwas zu verändern.

Und darauf kann man meiner Meinung nach durchaus stolz sein. Denn es braucht Mut, den eigenen Weg zu verändern – und noch mehr Mut, diesen Weg dann auch wirklich weiterzugehen.


Hilfe funktioniert nur, wenn man sie auch annimmt.

Wenn man bei jedem Vorschlag sagt: „Brauche ich nicht“, „Will ich nicht“ oder „Dafür habe ich keine Zeit“, wird es natürlich schwierig. Man muss sich ein Stück weit öffnen, zuhören und auch einmal ausprobieren, was einem angeboten wird.

Das bedeutet nicht, dass man alles blind machen muss. Aber man sollte sich zumindest darauf einlassen.

Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem die Therapie vorbei ist.

Viele denken vielleicht: „So, geschafft. Jetzt bin ich wieder zu Hause und alles ist erledigt.“

Genau so habe ich es nicht erlebt.

Nach der Therapie kommt die Nachsorge.

Das können regelmäßige Termine bei der Suchtberatung, bei einem Therapeuten oder andere Angebote sein. Und für mich gehören auch Selbsthilfegruppen dazu. Regelmäßig hingehen, mit anderen reden, Erfahrungen austauschen und sich immer wieder selbst hinterfragen.

Denn draußen wartet schließlich wieder das ganz normale Leben.

Arbeit, Familie, Stress, gute Tage, schlechte Tage und natürlich auch Situationen, in denen man wieder mit seinem alten Umfeld oder seinen alten Gewohnheiten konfrontiert wird.

Und genau da braucht man manchmal weiterhin Unterstützung.

Der eine schafft den Weg zurück leichter, weil sein Umfeld ihn unterstützt. Ein anderer hat vielleicht viel größere Schwierigkeiten, weil zu Hause, bei der Arbeit oder im Freundeskreis noch ganz andere Probleme vorhanden sind.

Aber auch dann gibt es Möglichkeiten.

Ärzte, Therapeuten, Suchtberatung, Sozialarbeiter, Nachsorge und Selbsthilfe können verschiedene Bausteine sein. Man muss nicht alles alleine organisieren und auch nicht von Anfang an wissen, wie der komplette Weg aussehen soll.

Man muss nicht das ganze Navi kennen. Es reicht manchmal, erst einmal den nächsten Schritt zu finden.

Bei mir waren es am Anfang genau diese kleinen Schritte: Arzt, Entgiftung, Therapie und anschließend Nachsorge und Selbsthilfe.

Und jeder dieser Schritte hat wieder einen weiteren möglich gemacht.

Natürlich findet nicht jeder Mensch genau denselben Weg zurück ins Leben. Aber das Wichtigste ist für mich heute:

Ihr seid mit euren Problemen nicht alleine.

Wenn ihr merkt, dass ihr selbst nicht mehr weiterkommt, dann fangt an, euch Hilfe zu suchen. Beim Arzt, bei einer Suchtberatung, in einer Klinik, bei einer Selbsthilfegruppe oder auch erst einmal hier im Forum.

Der erste Schritt ist vielleicht der schwerste. Aber danach muss man den Weg nicht mehr alleine gehen.

Wie war das bei euch?

Wo habt ihr angefangen? Arzt, Suchtberatung, Klinik, Selbsthilfe oder vielleicht erst einmal ein Gespräch mit einem Menschen, dem ihr vertraut?

Und was hat euch auf eurem weiteren Weg am meisten geholfen?


LG.Lifeline
Freie Entscheidung treffen, heißt Unabhängig zu sein.
Antworten

Zurück zu „„Und jetzt? Wie geht’s weiter?“ – Der Weg durch die Behandlung“