Der Arzt des Vertrauens

Hausarzt, Facharzt oder eine andere ärztliche Anlaufstelle: Was kann der erste Schritt sein und warum muss man keine Angst haben, offen über sein Problem zu sprechen?
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Lifeline
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Der Arzt des Vertrauens

Beitrag von Lifeline »

„Erstmal Klartext!“ – Der Arzt des Vertrauens

Wenn man irgendwann merkt: „Okay, irgendetwas stimmt hier nicht“, kommt meistens gleich die nächste Frage:

„Und was mache ich jetzt?“

Genau vor dieser Frage stand ich damals auch.
Bei mir war es ziemlich eindeutig:

Entweder meine Familie oder ich.
Meine Familie wollte ich nicht verlieren. Also mussten wir etwas unternehmen. Meine Frau und ich haben uns damals dafür entschieden, zuerst zu meinem Hausarzt zu gehen.

Warum gerade der Hausarzt?
Ganz einfach: Wir hatten großes Vertrauen zu ihm. Und für mich war das damals der logischste erste Schritt. Ich musste nicht erst überlegen, wo ich überhaupt hingehen sollte, sondern hatte jemanden, den ich bereits kannte und dem ich mich anvertrauen konnte.
Aber natürlich muss das nicht für jeden der richtige Weg sein.
Wer keinen Hausarzt hat, zu dem er Vertrauen hat, oder sich dort vielleicht nicht öffnen möchte, kann sich beispielsweise auch direkt an eine Suchtberatungsstelle wenden.

Und eines ist dabei ganz wichtig:

Man muss sich nicht schämen.
Sowohl Ärzte als auch Suchtberatungsstellen unterliegen der Schweigepflicht. Man kann dort also offen über seine Situation sprechen und muss nicht Angst haben, dass am nächsten Tag plötzlich der ganze Ort Bescheid weiß.

🗣️ Man muss nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen

Ich glaube, genau das kann für viele eine Hürde sein.
Man denkt vielleicht:

„Was soll ich denn jetzt beim Arzt sagen?“

Man muss ja nicht gleich durch die Tür kommen und sagen:

„Hallo, ich bin alkoholabhängig und habe mein Leben nicht mehr im Griff!“

Man kann auch einfach ganz vorne anfangen.

Zum Beispiel:
„Irgendwie stimmt bei mir etwas nicht. Ich habe Probleme mit Alkohol und merke, dass ich das alleine nicht mehr richtig in den Griff bekomme.“

Das reicht erst einmal.
Der Rest ergibt sich im Gespräch.
Und manchmal ist es sogar eine große Erleichterung, wenn man das Problem zum ersten Mal laut ausspricht.
Denn solange alles nur im eigenen Kopf stattfindet, kann man sich die unterschiedlichsten Erklärungen zurechtlegen.

Bei mir war es ja lange genauso.
Ich habe den Alkohol nicht als das eigentliche Problem gesehen. Ich habe die Ursachen eher bei der Arbeit, bei Stress oder bei meiner Familie gesucht.

Heute weiß ich:
Der Alkohol hat meine Sichtweise verändert – ich habe es damals nur nicht richtig bemerkt.
Und das betrifft nicht nur einen selbst.
Auch die Familie bekommt die Veränderungen mit. Vielleicht sogar früher als man selbst.
Man wird anders, reagiert anders, sieht manche Dinge anders und merkt dabei oft gar nicht, dass der Alkohol dabei eine ziemlich große Rolle spielt.

🔨 Der erste Schritt muss kein Riesenschritt sein

Heute würde ich deshalb jedem sagen:
Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, rede darüber.

Du musst nicht sofort wissen, was du tun musst.
Du musst auch noch keinen fertigen Plan haben.
Du musst nicht bereits wissen, ob du eine Therapie brauchst, eine Entgiftung oder welche anderen Möglichkeiten es gibt.
Dafür gibt es Ärzte, Suchtberatungsstellen und andere Anlaufstellen.

Der erste Schritt kann ganz einfach sein:
„Ich glaube, ich habe ein Problem. Können Sie mir helfen?“
Mehr muss es am Anfang vielleicht gar nicht sein.
Und wenn ich heute zurückblicke, war genau dieser Schritt für mich der Anfang von etwas, das mein Leben komplett verändert hat.
Ich bin damals mit meiner Frau zum Arzt gegangen, weil ich meine Familie nicht verlieren wollte.
Und ich bin heute froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben.

💎 Vielleicht ist „Klartext“ manchmal genau das Richtige

Wir reden bei Sucht sehr viel über Verdrängung, Scham und die Angst davor, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat.
Aber irgendwann muss man vielleicht einfach einmal Klartext mit sich selbst reden.

Nicht:
„So schlimm ist es doch gar nicht.“
Sondern:
„Moment mal. Irgendetwas stimmt hier nicht.“
Und wenn man diesen Gedanken erst einmal zulässt, kann der nächste Schritt vielleicht schon etwas leichter fallen.


💎 Und jetzt seid ihr dran …

Wie war das bei euch?

Wer oder was war euer erster Anlaufpunkt?

Hausarzt? Suchtberatung? Familie? Freund oder Freundin? Oder vielleicht etwas ganz anderes?

Und wie schwer war es für euch, zum ersten Mal offen auszusprechen:

„Ich glaube, ich habe ein Problem.“

Vielleicht hilft eure Erfahrung gerade jemandem, der diesen Schritt noch vor sich hat.


LG.Lifline
Freie Entscheidung treffen, heißt Unabhängig zu sein.
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