„Wo sind eigentlich meine alten Hobbys geblieben?“
Wenn andere Dinge langsam in den Hintergrund rutschen.
Meine persönliche Erfahrung – Als die Sucht immer mehr Raum bekam
Wenn ich heute zurückblicke, kann ich aus eigener Erfahrung sagen:
Meine Interessen und Hobbys sind damals immer mehr in den Hintergrund gerückt.
Am Anfang passiert das oft gar nicht so auffällig.
Man hat vielleicht noch seine Hobbys.
Man trifft noch Freunde.
Man versucht, seinen normalen Alltag weiterzuführen.
Aber mit der Zeit verändert sich etwas.
Das Suchtmittel nimmt immer mehr Raum ein.
Nicht nur die Zeit verschwindet – auch die Energie.
Man beschäftigt sich immer mehr damit, das Suchtmittel zu organisieren, den Konsum zu planen und irgendwie den Alltag darum herum aufzubauen.
Für andere Dinge bleibt immer weniger übrig.
Nicht, weil sie plötzlich unwichtig sind.
Sondern weil die Sucht immer mehr Kraft kostet.
Irgendwann verändert sich der ganze Tagesrhythmus.
Der Alltag dreht sich nicht mehr darum, was einem Freude macht, sondern darum, wie man mit der nächsten Situation umgeht.
Gerade bei manchen Suchtmitteln kann es passieren, dass der normale Rhythmus komplett durcheinanderkommt.
Die Nacht wird zum Tag.
Gewohnte Abläufe verschwinden.
Kontakte werden weniger.
Und Dinge, die früher selbstverständlich waren, rücken immer weiter weg.
Die Sucht verändert nicht nur den Alltag – sie verändert auch die Wahrnehmung.
Man sieht vieles anders.
Gedanken und Gefühle drehen sich immer mehr um das Suchtmittel.
Die Glücksgefühle, die man sucht, kommen oft nur noch durch den Konsum.
Andere schöne Dinge im Leben verlieren dagegen ihren Stellenwert.
Die Welt wird kleiner.
Nicht, weil es nichts anderes mehr gibt.
Sondern weil man es irgendwann nicht mehr richtig wahrnimmt.
Auch das Geld spielt dabei eine Rolle.
Was früher vielleicht für Hobbys, Familie oder schöne Erlebnisse ausgegeben wurde, fließt plötzlich in das Suchtmittel.
Man versucht, Geld zu organisieren.
Man setzt Prioritäten anders.
Und oft merkt man erst später, was alles auf der Strecke geblieben ist.
Warum passiert das?
Bei einer Abhängigkeit passiert vieles schleichend.
Das Suchtmittel wird immer wichtiger und andere Dinge rücken automatisch weiter nach hinten.
Es geht nicht nur darum, dass man weniger Zeit für seine Hobbys hat.
Es geht auch darum, dass die Gedanken, die Energie und die Aufmerksamkeit immer stärker auf die Sucht ausgerichtet werden.
Der Mensch verändert sich.
Die Wahrnehmung verändert sich.
Die Interessen verändern sich.
Nicht, weil man das bewusst möchte.
Sondern weil die Abhängigkeit immer mehr Einfluss nimmt.
Auch das Umfeld verändert sich mit.
Freunde werden weniger gesehen.
Gemeinsame Unternehmungen werden abgesagt.
Familie und wichtige Menschen bekommen oft weniger Aufmerksamkeit.
Man zieht sich zurück oder verliert den Bezug zu Dingen, die früher selbstverständlich waren.
Der Weg zurück – Interessen wiederfinden
Rückblickend bin ich heute sehr froh, dass sich mein Leben wieder verändert hat.
Durch die Therapie und die weiteren Schritte danach sind meine Interessen und Hobbys wieder zurückgekommen.
Ich habe wieder mehr Freiraum.
Freiraum für meine Familie.
Freiraum für meine Hobbys.
Freiraum für mich selbst.
Der größte Unterschied ist: Ich muss meine Energie nicht mehr in die Sucht investieren.
Früher ging so viel Kraft dafür verloren, das Suchtmittel zu organisieren und den nächsten Schritt zu planen.
Heute kann ich diese Energie wieder für Dinge nutzen, die mir wirklich wichtig sind.
Das Leben besteht wieder aus mehr als nur der Sucht.
Ich kann mich weiterentwickeln.
Ich kann Zeit mit meiner Familie verbringen.
Ich kann meinen Interessen nachgehen.
Und ich merke heute:
Das ist ein ganz anderes Leben als dieser tägliche Kampf, den die Sucht irgendwann daraus gemacht hat.
Man verliert durch die Sucht viele Dinge aus den Augen – aber man kann sie auch wieder zurückholen.
Nicht alles auf einmal.
Nicht von heute auf morgen.
Aber Schritt für Schritt.
Etappe für Etappe.
Zurück zum eigenen Leben.
Lg.Lifeline