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„Reden hilft!“ – Selbsthilfe & Menschen, denen wir vertrauen

Selbsthilfegruppe, Forum, Freunde, Partner oder einfach ein Mensch, dem man vertraut: Wer kann uns auffangen, zuhören und Mut machen, wenn wir den ersten Schritt nicht alleine gehen wollen?
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Lifeline
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„Reden hilft!“ – Selbsthilfe & Menschen, denen wir vertrauen

Beitrag von Lifeline »

Ich glaube, viele Menschen mit einem Suchtproblem sind erst einmal richtige Einzelkämpfer.

Zurückgezogen, verschlossen und am liebsten seine Ruhe haben. Reden ist nicht unbedingt das, was man gerade möchte. Man versucht, irgendwie alleine klarzukommen – ein bisschen Überlebenskünstler, ein bisschen „Ich kriege das schon irgendwie hin“.

Nur komisch ist: Für die Sucht findet man plötzlich jede Menge Energie.

Wo bekomme ich mein Suchtmittel her? Wie komme ich an Geld? Wen kann ich anrufen? Wo kann ich hin? Was muss ich organisieren? Was muss ich vermeiden? Und bloß nicht auffallen.

Da wird unglaublich viel Energie in die Sucht gesteckt. Ein großer Teil des Tages dreht sich irgendwann nur noch darum, den nächsten Konsum möglich zu machen und dieses bekannte Gefühl wiederzubekommen. Das Suchtgedächtnis spielt dabei natürlich auch eine Rolle – bestimmte Situationen und Erinnerungen werden mit dem Konsum verknüpft und können den Wunsch danach immer wieder anstoßen.

Und genau diese Energie könnte man eigentlich auch anders einsetzen.

Zum Beispiel dafür, mit einem Menschen zu reden, dem man wirklich vertraut.

Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Wenn man sich jahrelang abgeschottet hat, fällt der erste Satz verdammt schwer.

Aber man muss ja nicht gleich die komplette Lebensgeschichte auf den Tisch legen.

Man kann auch einfach anfangen mit:

„Du, ich glaube, ich habe da vielleicht ein Problem. Ich kann das selbst gerade nicht richtig einordnen. Was meinst du dazu?“

Mehr muss es am Anfang vielleicht gar nicht sein.

Ein guter Freund, eine gute Freundin, der Partner oder einfach ein Mensch, bei dem man sagt: „Dem vertraue ich.“ Genau dort kann man anfangen. Und manchmal ergeben sich aus so einem Gespräch schon die nächsten Gedanken oder sogar ein paar Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte.

Manchmal kommt dadurch überhaupt erst etwas ins Rollen.

Bei mir war es meine Frau, die mir Rückhalt gegeben hat. Und auch mein Arzt war für mich eine wichtige Anlaufstelle. Ohne diese Unterstützung weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich heute stehen würde. Da war jemand, der nicht einfach weggeschaut hat, sondern mit dafür gesorgt hat, dass sich meine Situation wieder verbessert.

Aber auch in der Therapie habe ich etwas Wichtiges gelernt: Reden muss man tatsächlich erst einmal wieder lernen.

Gerade die Gruppengespräche waren für mich am Anfang nicht unbedingt das Highlight. „Reden, reden, Gruppengespräche …“ – da war ich erst einmal eher skeptisch.

Man muss aber nicht sofort seine komplette Gefühlswelt vor zehn Leuten ausbreiten. 😄

Man kann erst einmal zuhören. Die anderen beobachten. Mitbekommen, wie offen dort über Probleme gesprochen wird. Und irgendwann merkt man: Die erzählen Dinge, die ich selbst kenne. Und plötzlich fällt es leichter, auch einmal etwas von sich zu erzählen.

Stück für Stück kommt das Vertrauen zurück.

Und mit dem Vertrauen kommt irgendwann auch wieder ein Stück Selbstbewusstsein. Man merkt: Ich kann über meine Probleme sprechen. Ich muss nicht alles alleine mit mir ausmachen. Ich darf Hilfe annehmen.

Und wenn man selbst überhaupt keinen Anfang findet, kann auch eine Suchtberatung ein guter erster Schritt sein. Man muss dort nicht schon den perfekten Plan haben. Es reicht erst einmal, zu sagen: „Ich weiß gerade nicht weiter und brauche jemanden zum Reden.“

Für mich ist deshalb eines ganz wichtig:

Niemand muss mit seinem Problem alleine bleiben. Oft ist nicht die fehlende Hilfe das Problem – sondern dass wir uns selbst zu sehr abschotten.

Der erste Schritt muss natürlich von einem selbst kommen. Zum Arzt gehen, bei der Suchtberatung anrufen, einen Freund ansprechen, dem Partner etwas erzählen oder sich einer Selbsthilfegruppe beziehungsweise einem Forum öffnen.

Und vielleicht muss man dabei auch wieder lernen, Vertrauen aufzubauen. Nicht alles auf einmal, sondern Stück für Stück.

Denn egal, ob es um Sucht geht oder um andere Probleme im Leben:

Reden hilft.

Nicht mit Vorwürfen. Nicht mit Beschuldigungen. Sondern ehrlich, sachlich und miteinander.

Wie war das bei euch? Gab es einen Menschen, mit dem ihr irgendwann angefangen habt zu reden? War es der Partner, ein Freund, ein Arzt, eine Suchtberatung, eine Selbsthilfegruppe oder vielleicht ein Forum?

Und wie schwer war für euch eigentlich der erste Satz?

LG.Lifeline
Freie Entscheidung treffen, heißt Unabhängig zu sein.
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