Moment mal … stimmt da was nicht

Wann merkt man eigentlich, dass aus Konsum ein Problem geworden sein könnte? Welche Anzeichen gibt es und wie ehrlich muss man zu sich selbst sein?
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Lifeline
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Moment mal … stimmt da was nicht

Beitrag von Lifeline »

💎 Moment mal … stimmt da was nicht?

Die erste Erkenntnis

Wann merkt man eigentlich, dass aus Konsum ein Problem geworden sein könnte? Welche Anzeichen gibt es? Und wie ehrlich muss man eigentlich zu sich selbst sein?

Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich diese Frage eigentlich erst richtig beantworten, seit ich selbst meine Therapie gemacht habe.

Denn vorher war mir eines überhaupt nicht klar: Dass ich ein richtiges Alkoholproblem hatte.

Natürlich wusste ich, dass ich jeden Tag Alkohol trank. Und ich wusste auch, dass es nicht gerade wenig war. Aber dass das tatsächlich eine Alkoholabhängigkeit beziehungsweise eine Krankheit sein könnte, habe ich lange Zeit nicht wirklich an mich herangelassen.

Ich habe die Ursachen auch lieber irgendwo anders gesucht.

Zu viel Arbeit.
Stress.
Probleme in der Beziehung.
„Meine Frau versteht mich sowieso nicht.“
„Es läuft gerade einfach alles nicht.“

Irgendwie gab es immer eine Erklärung dafür, warum es mir schlecht ging.

Nur der Alkohol war es natürlich nicht. 😏

Zumindest wollte ich das damals nicht sehen.

🚨 Irgendwann kommt der Moment, an dem man hinschauen muss

Bei mir kam dieser Moment ziemlich deutlich.

Meine Familie hat mir – bildlich gesprochen – die Pistole auf die Brust gesetzt.

Es ging irgendwann um die Frage:

Alkohol oder Familie?

Und für mich war klar: Ich wollte meine Familie nicht verlieren.

Also bin ich gemeinsam mit meiner Frau zum Arzt gegangen.

Der Arzt hat ziemlich schnell erkannt, dass etwas nicht stimmt, und mir eine Therapie beziehungsweise zunächst die notwendige Behandlung empfohlen. Danach ging es relativ schnell weiter, und ich bekam einen Therapieplatz.

Heute sage ich ganz ehrlich:

Die Therapie war wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte.

Und das sage ich, obwohl ich vorher auch gedacht habe:

„Therapie? Wann soll ich denn dafür Zeit haben? Das kann ich doch nicht einfach machen.“

Heute sehe ich das völlig anders.

Denn erst dort hatte ich wirklich einmal die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und über mich selbst nachzudenken.

Was ist eigentlich mit mir passiert?

Warum bin ich so geworden?

Was hat sich in meinem Umfeld verändert?

Warum trinke ich eigentlich jeden Tag?

Und vor allem:

Warum brauche ich den Alkohol überhaupt?

🍺 „Ich trinke ja nur …“

Was ich damals nicht erkannt habe: Mein Konsum hatte längst seine eigenen Regeln.

Ich habe mir durchaus vorgenommen:

„Heute trinke ich nur zwei oder drei Bier.“

Das Problem war nur:

Es blieb meistens nicht bei zwei oder drei.

Irgendwann merkte ich, dass mir diese Menge gar nicht mehr reichte. Mein Körper hatte sich an den Alkohol gewöhnt.

Also wurde nachgelegt.

Und irgendwann war man wieder bei deutlich mehr.

Das Ganze wurde zu einer Art Schleife.

Man trinkt – der Alkohol wirkt – die Wirkung lässt nach – man möchte wieder etwas trinken – und schon geht es von vorne los.

Und das Verrückte daran:

Allein der Gedanke daran, dass ich abends wieder trinken konnte, hat mir tagsüber schon ein besseres Gefühl gegeben.

Heute weiß ich, dass da auch das Suchtgedächtnis eine Rolle spielt.

Damals dachte ich einfach:

„Heute Abend kann ich abschalten. Dann wird alles besser.“

Der Alkohol war für mich irgendwann nicht mehr nur ein Getränk.

Er wurde zu einer vermeintlichen Lösung für Probleme.

Und genau da wird es gefährlich.

⏰ Alkohol kann mehr kosten als nur Geld

Ein Punkt, den ich rückblickend ziemlich interessant finde, ist die Zeit, die der Konsum irgendwann verschlingt.

Es geht nämlich nicht nur darum, wie viel man trinkt.

Man beschäftigt sich irgendwann ständig damit.

Wann kann ich etwas trinken?

Wo bekomme ich etwas?

Hoffentlich sieht mich keiner.

Wie komme ich an meinen Alkohol?

Wann kann ich wieder los?

Man plant Wege und Situationen teilweise schon vorher.

Und damit nimmt der Konsum immer mehr Raum im Leben ein.

Zeit, Energie und Gedanken gehen dafür drauf.

Wenn man dann irgendwann merkt, dass man immer mehr braucht, um die gleiche Wirkung zu bekommen, sollte man meiner Meinung nach schon einmal genauer hinschauen.

🔎 Die ersten Anzeichen können ganz woanders liegen

Bei mir waren es nicht unbedingt irgendwelche spektakulären Warnzeichen.

Vieles zeigte sich eher im Alltag.

Das Umfeld verändert sich.

Die Familie zieht sich zurück.

Es gibt häufiger Streit.

Man ist nicht mehr pünktlich.

Man ist ständig müde oder kaputt.

Man verändert sich selbst.

Und irgendwann merkt man vielleicht:

„Irgendwie bin ich gar nicht mehr der Mensch, der ich früher einmal war.“

Auch wenn der Konsum immer mehr wird, ist das natürlich ein deutliches Zeichen.

Man braucht mehr.

Man beschäftigt sich mehr damit.

Man verliert Kontrolle.

Und trotzdem redet man sich selbst immer wieder ein:

„So schlimm ist es doch gar nicht.“

🪞 Und dann kommt die Sache mit der Ehrlichkeit

Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Punkte überhaupt.

Ehrlich zu sich selbst zu sein.

Ich war es lange nicht.

Ich wollte mir selbst nicht eingestehen, dass ich alkoholkrank beziehungsweise abhängig bin.

Erst in der Therapie habe ich gelernt, mich wirklich mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Nicht sofort.

Nicht innerhalb von ein paar Tagen.

Bei mir hat das gedauert.

Meine Therapie ging drei Monate, und die Erkenntnisse kamen **Stück für Stück**.

Auch die Gruppengespräche haben mir dabei geholfen. Am Anfang wusste ich noch gar nicht richtig, was ich davon halten sollte.

Aber irgendwann – bei mir war das ungefähr in der fünften Woche – habe ich gemerkt:

„Verdammt, das tut mir tatsächlich gut.“

Ich konnte anfangen, ehrlich zu mir selbst zu sein.

Und genau diese Ehrlichkeit finde ich bis heute wichtig.

❤️ Ehrlich zu sich – und ehrlich zu den Menschen, die einem wichtig sind

Man muss natürlich nicht jedem Menschen auf der Straße erzählen:

„Hallo, ich bin alkoholabhängig.“

Das geht niemanden etwas an.

Aber die Menschen, die einem wirklich nahestehen, sollten meiner Meinung nach wissen, was los ist.

Familie.
Partner.
Vielleicht enge Freunde.

Denn auch sie müssen verstehen können, was passiert und warum bestimmte Dinge vielleicht anders laufen als früher.

Und eines möchte ich dabei ganz deutlich sagen:

Alkoholabhängig zu sein ist keine Schande.

Es ist eine Krankheit.

Das bedeutet aber nicht, dass man nichts verändern kann.

Im Gegenteil.

Der erste Schritt kann genau darin bestehen, sich selbst einzugestehen:

„Moment mal … stimmt da tatsächlich etwas nicht?“

Und vielleicht muss man auch nicht gleich alle Antworten haben.

Vielleicht reicht es zunächst einmal, ehrlich hinzuschauen.

Denn genau da kann etwas beginnen.

---

💎 Und jetzt seid ihr dran …

Wann habt **ihr** zum ersten Mal gedacht:

„Moment mal … so kann es eigentlich nicht weitergehen.“

Gab es bei euch einen bestimmten Moment?

Oder war es eher ein schleichender Prozess?

Habt ihr die Veränderung selbst erkannt – oder musste euch erst jemand anderes darauf aufmerksam machen?

Und wie schwer war es für euch, ehrlich zu euch selbst zu sein?

Erzählt gerne eure Geschichte. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder und merkt dadurch selbst: „Moment mal … vielleicht sollte ich da auch einmal genauer hinschauen.“


LG.Lifline
Freie Entscheidung treffen, heißt Unabhängig zu sein.
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